Liturgiekreis

Gebetszeit im September

Gott, wo bist du?

Herzlich willkommen zu unserer Gebetszeit im September. Schön, dass wir miteinander beten.

Beginnen wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gewalt, Krieg, Krankheit, Schmerzen, Leid und Not. Warum lässt Gott das zu? Will oder kann er nicht anders?

Die quälende Frage nach der Güte und Gerechtigkeit des Schöpfers bewegt die Menschen seit ewigen Zeiten.1)

Aber auch mit Müdigkeit, Kraftlosigkeit, mit Zweifel an Gott – haben viele Menschen in ihrem Leben zu kämpfen, auch jene, die immer stark und überzeugend wirken. Auch die Bibel erzählt von Menschen, die einfach nicht mehr können. Da ist zum Beispiel der Prophet Elija aus dem Alten Testament, den man eigentlich als unbeirrbaren Kämpfer für den einzig wahren Gott kennt.

Das erste Buch der Könige erzählt im 19. Kapitel davon, wie auch dieser Elija seine Kraft verliert. Voller Angst vor seinen Feinden, die ihm nach dem Leben trachten, flieht er in die Wüste. Nach Jahren des kämpferischen und kräftezehrenden Eintretens für Gott hat er genug. Er setzt sich unter einen Ginsterstrauch, wünscht sich den Tod und schläft ein… 2)

Wie oft bin ich Elija, Herr,
wie oft hingestreckt,
hoffnungslos,
zerschlagen,
todmüde

Wie oft frage ich, WO BIST DU, GOTT?

Wo bist du?
Kannst du mir nicht sagen, wo du bist?
Denn ehrlich gesagt, manchmal seh‘ ich dich nicht.
Ich wach schon mal am Morgen auf und bin mir nicht mal sicher, ob und wenn ja was ich überhaupt noch glaub.

WO BIST DU?
Nenn mich Schwätzer oder Ketzer, aber ich frag mich oft in meinem Leben:
„Ist es so, dass Gebete wirklich was bewegen, oder bleiben die Worte an der Zimmerdecke kleben wie Spinnweben?
 
WO BIST DU?
Und während ich nachdenkend da sitz‘,
erreicht mich die Nachricht, dass ein Freund nicht mehr da ist.
Panik, als klar ist, dass das real ist.
Und wie soll ich akzeptieren,
dass so was dein Plan ist?
Sie sagen Unfall, manche Schicksal, andere Fügung, einige Zufall!
Und ich weiß nicht, was ich sagen soll.

WO BIST DU?
Ganz im Ernst – lässt du dich blicken im Schmerz,
oder überlässt du uns einfach uns selbst?

Wo bist Du? Hast Du den ersten Menschen gefragt, als dieser die Entscheidung traf,
nicht zu hören auf deinen Rat und Warnungen mit Füßen trat.
Und vielleicht hab ich kein Recht zu fragen, auch keinen Grund mich zu beklagen,
aber wenn du mich fragst, darf ich dann auch dich fragen – wo bist du?
Und warum gibst du auf warum nie ne Antwort?
Ich fand dort, wo sie mir Antwort versprachen nur Schubladen –
Vollgestopft mit Phrasen und weiteren Fragen, die allesamt die Sehnsucht
und das Echo von „WO BIST DU?“ in sich tragen.

Ich schalte den Fernseher an, um abzuschalten und muss so denken:

Wo bist du an geschlossenen Grenzen,
wo Menschen vor Kämpfen fliehen und in Wellen der Ablehnung ertrinken.
Hochwasserpegelhöchststand weltweit durch Tsunamis unserer Gleichgültigkeit.

Du sagst, du bist der gute Hirte – bist du dann da in Krisenherden und Kriegsgebieten,

Wo bist du zwischen Granaten und Landminen und in dem Land mit Minen,
in denen Kinderhände unseren Luxus garantieren.

WO BIST DU?
Und ich ertappe mich dabei zu fragen, wie es die Psalmisten hinbekamen,
nach Verse langem Klagen am Ende deinen Namen groß zu machen,
zu dir aufzuschauen und was übrig bleibt, ist dann Vertrauen.
Irgendwie! Und ich frag mich wie!

Klar, Glaube ist ein Überzeugtsein von etwas, das man nicht sieht.
Aber manchmal wünsch ich mir umso mehr es wär umgekehrt und ich könnt unbeschwert
sehen und greifen, was ich so nicht begreife.
Und ja, mir geht es gut.

Ich habe Millionen Gründe dankbar zu sein.
Aber macht es das nicht umso schlimmer?
Denn wenn das wirklich alles Segen und von dir gegeben ist,
tut mir leid, warum ist der Segen dann so unfair verteilt?

Darf ich das überhaupt sagen? Mir anmaßen dich anzuklagen?
Und hast Du nicht gesagt, wer dich sucht, von dem lässt du dich finden? Irgendwie komisch, aber hast Du nicht sogar gesagt, du bist in mir drin?

Und vielleicht – geht das auch wirklich zu weit, weil meine Anklageschrift bereits beim Unterzeichnen meinen eigenen Namen schreit: Wo bist du? Hast du nicht gesehen, wo wir waren und wenn du doch kannst warum hast du nichts dagegen getan? Beschämtes Erkennen, du könntest mich dasselbe fragen!

Hast Du nicht uns erwählt? Gesagt ihr seid das Licht der Welt, und wenn das stimmt, wieso ist es hier dann nicht so hell?

Und ich beginne zu begreifen, dass meine anfänglichen Fragen und Zweifel in Wahrheit die Antworten sind.
Dass jede Not, die ich seh, mich einlädt ihr zu begegnen.
Oh was für ein tiefes Geheimnis, dass der Schöpfer des Universums in mir, der so klein ist, daheim ist.

Wo bist Du? Du lebst in mir und willst durch mich Menschen begegnen, Hoffnung säen, damit sie Hoffnung sehen. Und das klingt so Verstand übersteigend extrem. Und trotzdem – auch so wunderschön! Lass mich mit deinen Augen sehen! Auch wenn das heißt, ich seh oft nichts vor lauter Tränen! Sind wir nicht dein Leib? Deine Körperteile? Also lass uns doch deine Hände sein, die helfen und die Wunden heilen, Füße die herbeieilen um Frieden zu verbreiten und Arme die sich weit öffnen, um die willkommen zu heißen, die wo sie daheim waren nun nicht bleiben können.

Lichter der Welt – Feuerzeuge, Taschenlampen und Fluchtlichter: Die Frage ist nicht wo ist ER? Sondern wo sind wir? Wo bist Du? Und seh ich zu oder lass ich zu, dass am Ende des Tages meine eigene Frage zu mir spricht – vielleicht wie für mich in einem Gedicht – vielleicht auch nicht – was am Ende bleibt ist die Frage

WO DU BIST?! 
 

STILLE

 
Auch wenn du mir rätselhaft bist, Gott,
noch unbegreiflicher jetzt, unendlich fern,
so will ich dennoch glauben an dich,
widerständig, trotzig, egal, was dagegen spricht.

Sollen die Spötter mich zynisch belächeln,
ich will hoffen auf deine Nähe an meiner Seite.

Würdest du doch nur endlich dein Schweigen beenden,
doch ich halte es aus und halte dich aus, oh Gott.

Halte du mich aus!

Und halte mich, Ewiger! Halte mich! 

 

STILLE

…Doch kaum ist er eingeschlafen, rührt ein Engel ihn an und fordert ihn auf zu essen. Elija entdeckt einen Laib Brot und einen Krug Wasser neben sich, isst und trinkt und legt sich dann wieder schlafen. Doch der Engel bleibt hartnäckig und weckt ihn erneut: „Steh auf und iss“, sagt er zu ihm. „Sonst ist der Weg zu weit für dich.“ (1 Kön 19,7)

Gott, der du mich immer wieder anrührst, leise, behutsam, bleibe bei uns auf unseren Wegen und gib uns deinen Segen.

Liturgiekreis St. Peter

Quellenangaben:
1) Radio Bayern, 2) Erzbistum Paderborn, 3) Martin Thurner, 4) Marco Michalzik, 5) Stephan Wahl


 

 



 

 

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