Liturgiekreis

Roratemesse

Advent das Dunkel

 GL 220
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet, auch deine Angst und Pein.

 
In der dunkelsten Zeit des Jahres begehen wir die Adventszeit und so steht unsere Sorgenmesse
heute Abend unter den Thema: Advent – das Dunkel.
Wir kenne sie alle, diese Tage, an denen das Dunkel plötzlich in unser Leben hereinbricht,
unvorhersagbar, unberechenbar.
Tage, die alles, aber auch wirklich alles im eigenen Leben verändern.

Plötzlich ist sie da, die Dunkelheit und niemand kann sie einem abnehmen -
die Verzweiflung, die Gottverlorenheit.
Sie sind da, die Fragen, die Zweifel, die Klage, der Protest -
- das Verstummen und der stille Schrei.

Und es wird auch immer wieder so sein. Warum? Wie lange noch? Warum gerade ich?
Warum gerade jetzt?
Und es entsteht eine Sehnsucht, endlich wieder heil zu werden und heil zu sein.

Das ist Advent! - das Dunkel in mir und in dieser Welt aushalten.
Es ist die Zeit, in der etwas in mir heranwachsen kann, etwas, was wirklich wichtig ist, etwas, was wirklich zählt.

Advent  heißt eben gerade nicht, dass alles in unserem Leben immer nur licht und hell und schön ist.

Es ist das Dunkel, das Schweigen, die Nacht, in der wir vor die letztendlichen Fragen unseres Lebens gestellt sind.

Advent ist zugleich die Chance, sich im Dunkel, im Schweigen, in der Einsamkeit berühren zu lassen.

Advent, das ist die Mitte der Nacht - und die Mitte der Nacht ist der Beginn eines neuen Tages- an dem nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.

Weil Gott selbst in unser Dunkel hinabsteigt, sich selbst in das Dunkel hineinbegibt, dürfen wir das Dunkel in unserem Leben zulassen -  in der absoluten Gewissheit, dass uns Gott nirgendwann und nirgendwo näher ist, als gerade dann.

Wir brauchen keine Rollen zu spielen und mit unendlicher Kraft  zu versuchen jemand zu sein, der wir gar nicht sind.

Wir dürfen das Dunkel, das Schweigen, die Verlassenheit zulassen, weil Gott selbst sie mit uns teilt.

Dazu sind wir eingeladen - und das ist die Chance - den Advent zu leben, das Wort zu hören, der Sehnsucht Raum zu geben – und der leisen Stimme, die da sagt:

Fürchte dich nicht!

( aus: Andrea Schwarz: Und jeden Tag mehr leben )

Tagesgebet:

Vater, am Beginn der Adventszeit zünden wir die erste Kerze an.
Sie vertreibe das Dunkle, das uns belastet und umhüllt.
Sie führe uns zur Ruhe und lasse uns durchatmen.
Komm Herr, tröste uns und stärke uns mit deinem Licht,
das uns den Weg zeigt hin zum großen Fest, zur Feier deiner
Menschwerdung in Jesus Christus. Amen.   

( Stephan Wahl)


Gedanken zum Psalm 30

Wer in der Tiefe war - ganz unten,
entsetzt, verzweifelt, verloren, - Am Ende -
und wieder leben darf,
kann nicht schweigen, muss reden, singen, danken,
beten, erzählen, und loben.

Wer Gott verlor, sich selbst,
Freunde, Glück, Hoffnung und das Leben -
und wer von Gott gefunden wurde, kann aufatmen,
hell lachen, wieder denken, darum danken,
neu beginnen und lieben.

Nach dem Dunkel kommt ein neuer Morgen -
verstummen Feinde, freuen sich Freunde, trocknen Tränen,
beginnt der Tanz, denn nun bleibt lebenslang seine Gnade.
 

Evangelium  Joh 1, 1-5

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Fürbitten:

Gott unser Vater, es gibt so viele Dunkelheiten in unserem Leben. Du kennst sie alle.

Darum bitten wir dich am Beginn dieser Adventszeit

  • für alle, die in dieser schwierigen Zeit neue Wege suchen und gehen müssen.
  • Für alle, die Orientierung suchen und Entscheidungen treffen müssen
Sei Du ihnen Licht in der Dunkelheit, Licht auf ihren Wegen.

  • Für alle, die in Angst, Sorge, Einsamkeit oder Krankheit diesen Advent beginnen.
  • Für alle, die ihnen bei Tag und Nacht beistehen.
Sei Du ihnen Licht in der Dunkelheit, Licht auf ihren Wegen.

  • Für alle, die diesen Advent freudig beginnen, und bewusst begehen wollen
  • für alle, die hoffnungsvoll und voll Zuversicht das Fest deiner Geburt erwarten
Sei Du ihnen Licht in der Dunkelheit, Licht auf ihren Wegen.

  • Für unsere Verstorbenen, die wir schmerzlich vermissen und nun eine ewige Heimat bei dir gefunden haben.

Dein Wort ist Licht auf unserem Weg. Es gibt uns Halt und Orientierung in diesen Tagen. Dafür danken wir dir und preisen dich. Amen

Vater Unser

Adventsmeditation

und im Dunkel
entflammt sich ein Licht
in der Orientierungslosigkeit
zeigt sich ein Weg
in meinem Gefangen-sein
öffnet sich eine Tür

in meine Trostlosigkeit
kommt ein Traum
in meine Angst
ein beruhigendes Wort
in meine Unsicherheit
ein bergender Flügel
in mein Stolpern
ein stützender Arm
in meine Kraftlosigkeit
neues Leben
in meine Mutlosigkeit
neue Hoffnung


und es beginnt
in einem Stall
in einer Krippe
mit einem kleinen Kind
leise
sanft
zart
unaufdringlich
sich gebend
sich schenkend
einladend
lächelnd
und das Kind
breites weit
seine Arme aus
für
mich

Segen 

Gott segne das Dunkel,
das du nicht verstehst,
und lasse dich schauen
Sein Licht.

Gott segne deine Schwäche
und lasse dich erfahren
Seine Kraft.

Gott segne deine Schmerzen
und die Schreie deiner Qual
und lasse sie zum Weg werden
zu Ihm

Gott segne deine Einsamkeit
und lasse sie zur Gemeinschaft werden
mit Ihm.

Gott segne deine Fragen
und öffne dir Ohren und Herz,
dass du Seine Antwort verstehst
zu Seiner Zeit.

Gott segne die Ungewissheit
und mache dich gewiß
Seiner Gegenwart.

Gott segne deine Hoffnung
und lasse dich vertrauen,
dass größer als deine Wünsche
Seine Liebe ist.

Gott segne deine schlaflosen Nächte
und lasse den Glauben in dir wachsen,
dass Er dich führt.                                                                         (Wilma Klevinghaus)

Schlusslied: GL 233 1+2

O Herr, wenn du kommst wird die Welt wieder neu,
denn heute schon baust du dein Reich unter uns
und darum erheben wir froh unser Haupt. O Herr, wir warten auf dich.

O Herr, wenn du kommst wird es Nacht um uns sein,
drum brennt unser Licht und wir bleiben wach.
Und wenn du dann heimkommst, so sind wir bereit. O Herr, wir warten auf dich.

 



 

 

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